Allfacebook - Thumbs around

facebook! facebook! facebook – Keine Nieten?

Ich habe eine zeitlang (mehr als 5 Minuten) darüber nachgedacht, ob ich einen Beitrag zu der allfacebook.de – Konferenz am letzten Montag schreiben soll.

Will ich mit dem Strom schwimmen? Es wird so viele Blog-Beiträge zu der Konferenz geben, weil wir alle da natürlich total Social waren, das ganze wurde schon Vorort bewiesen, denn schon dort habe ich mehr WordPress-Backends gesehen, als Handys auf der Mauerfall-Zeromenie ein Tag zu vor. Ich dachte mir jedoch, es war ein Ereignis, es war nicht unspannend, ich bin SOCIAL und mein Gott mein Beitrag wird sich so oder so abgrenzen von den restlichen, die zu diesem Event erscheinen.

Weil es sein könnte, dass der Beitrag falsch aufgenommen wird (meine ehemalige Deutschlehrerin wird sich freuen, dass ich einen Satz mit „weil beginne“), respektive der sehr stark ironisch aufgeladene Subtext vielleicht nicht verstanden wurde, möchte kurz ein paar positive Aspekte aufzählen, bevor ich auf die „Keynotes“ eingehe, die mir im Kopf hängen geblieben sind.

Ich kann grundsätzlich die allfacebook.de nur empfehlen. Ich habe selten eine so interessierte und engagierte Menschenmenge gesehen ohne das ein Ball und ein Tor in der nähe waren. Die Vorträge sind wie bei den meisten Konferenzen mehr oder minder spannende Achterbahnfahrten, was das Niveau, den Inhalt und den Unterhaltungsfaktor angeht. Ja, Unterhaltungsfaktor ist auch bei Vorträgen sehr wichtig, denn nur wer gut unterhält, kann Inhalt vermitteln! Bitte dringend merken! Wie wichtig „Entertainment“ ist hat man bei dem Rechts Update gemerkt. Wenn ich an die vier Semester Rechtsvorlesungen denke aus meiner Studienzeit, hätte ich mir gewünscht, dass die Professoren sich vielleicht vorher auch mal ein „Vortragen für Dummies“-Buch gegönnt hätten. Rechtsthemen finde ich grundsätzlich schon sehr spannend und die beiden Protagonisten auf der Bühne haben das so herausragend gemacht, dass für mich mit Abstand der beste Vortrag war. Daher hier für alle die es interessiert kurz die Namen plus Backlinks.

Nun habe ich ein wenig den Faden verloren und nach nochmaligem Lesen der ersten Absätze stelle ich fest, so schlecht klingt man erstes Fazit gar nicht. Sehr gut, die Kritik an den eher langweiligen Vorträgen kommt also nicht richtig raus.  Doch neben dem guten oder schlechte Vortragsstil, musste ich auch feststellen, dass auch inhaltlich so mancher Vortrag von geringfügigen Nutzen war. Aber auch das gehört dazu. Schließlich ist das Niveau der Zuhörer ja auch indifferent.

Kostenpflichtige Werbung ist Out?!

Was mir jedoch ganz negativ aufgefallen ist, war das Thema bezahlte Werbung bei Facebook. Hier ging wohl ein Trend gänzlich an mir vorbei. In manchen Vorträgen wurde der „gepushte“ Beitrag total gehyped, als wäre es die Neuerungen in diesem Jahr und nun wären alle Probleme gelöst. In anderen dagegen wurde es kritisch beäugt.

Eine Keynote ging auch gänzlich um den Einsatz von Facebook ohne Werbung zu schalten. Als erstes kam mir dann jedoch schon die Frage in den Kopf: Wenn man eine Agentur einschaltet ist dann nicht auch irgendwie Werbung geschaltet? Wenn man einen Beitrag schreibt als Unternehmen der neue Produkte vorstellt ist das nicht auch Werbung? Naja… gut also über die Grundaussage des Vortrages sollte man vielleicht nochmal nach denken, aber das ist ja nicht so relevant.

Im Verlauf des Vortrages ging es dann im Endeffekt um das Thema wie mache ich erfolgreiche Facebook-Posts mit Reichweite und guten Interaktionsraten ohne Geld drauf zu setzen. Richtig, mit Gewinnspielen! Und falsch! Nun war ich in einem Vortrag schon das zweite Mal verwundert. Das Belohnung funktioniert ist nun mal auch keine ganze neue Erkenntnisse und Posts bei denen was verlost wird gab es ja auch schon vor Facebook. Und ist ein Facebook-Post in dem man was verlost wirklich noch ohne finanzielle Unterstützung? Also klar, wenn es ne Umarmung gibt vielleicht, aber es gab Torten und Tortenheber. Warum mache ich mir also die Mühe und verlose etwas um die Community zum Antworten zu motivieren, anstatt den Beitrag mit ein paar Euro anzuschieben? Der einzige logische Grund hierfür scheint mir zu sein, dass man so sagen kann „Hey ich habe aber kein Geld auf den Beitrag gepackt“.. Und da wären wir wieder bei der Frage, warum ist es neuerdings schlimm wenn man für Reichweite zahlt? Wenn das ein Trend wird, wäre das natürlich super. Dann schreibe ich morgen mal Seven One Media an und sag ihnen ich hätte gerne jeden Tag 4 Werbeblöcke für lau, da man ja heute kein Geld mehr für Reichweite ausgibt.

Natürlich wird jetzt der eine oder andere sagen, dass es hier ja um eine Social Community geht und man so mit organischem Wachstum viel realer ist. ABER! Dieser Gedanke schon ganz schön scheinheilig, denn wenn ein Unternehmen eine Agentur einstellt, die den Kanal pflegt, Storylines entwickelt, Grafiken baut, … dann ist es ja auch nicht mehr der klassische Gedanke von Social Media. Oder vielleicht zielt das ganze auf Qualität statt Quantität ab? Jedoch kann ich auch da nur aus eigener Erfahrung feststellen, dass auch bezahltes qualitatives Fanwachstum möglich ist. Bei einem meiner Kunden, einer niederländischen Ferienpark-Kette, haben wir auch mit Aktionen und natürlich finanziellen Mitteln eine Fanbase in den letzten 2 Jahren aufgebaut. Haben jedoch hier auch drauf geachtet, dass wir Fans bekommen, die sich wirklich für die Marke interessieren und das ist uns auch gut gelungen. Natürlich gibt es auch ein paar schwarze Schafe unter den Fans, aber das ist wohl normal. Wir haben jedoch eine echte Community aufgebaut, trotz Facebook Ads und „gesponsorten“ Nachrichten! Shame on us!

Aber das war nicht das einzige was mir eindringlich im Kopf geblieben ist.

Agenturen sind immer die Besten!

Wir Agentur-Mitarbeiter, Berater, Consults & Co sind es ja gewohnt, dem Kunden etwas zu erklären und dabei zu denken, man steht eine Stufe über dem Kunden, weil er braucht ja uns. Ich versuche dieses Gefühl in meinem  beruflichen Alltag und in den damit verbundenen Kundenbeziehungen erst gar nicht aufkommen zu lassen. Natürlich kommt der Kunde zu uns weil er Know-How, jeglicher Art, einkaufen will, aber er will auch einen Rat für ein Problem das er hat (oder glaubt zu haben). Und dieses Problem können wir auch nicht ohne ihn lösen, denn niemand kennt sein „Problem“ und sein Unternehmen so gut wie er. Das Know-How hält sich also die Waage und genauso sollte man eigentlich auch mit Kunden umgehen. Aber das kann mir ja grundsätzlich egal sein, wie es andere machen.

Unangenehm fällt es mir dann nur auf solchen Konferenzen auf, wenn die Agenturen (Berater / Constults) die dort vortragen ihr Ego schon eine Schnur binden mussten, damit sie es beim raus gehen von der Decke runter holen können. Meist sind diese Vorträge Beweihräucherungen der eigenen Leistung! Ganz davon ab, das gerade im Marketing auch viel Glück dazu gehört, damit eine Idee funktioniert und auch der Kunde muss seinen Teil zum Erfolg beitragen. Ich schweife schon wieder ab. Warum müssen Agenturler denn auf solchen Events immer so tun als hätten sie die Weisheit gepachtet? Selbst die, die „Fail forward“ groß ausrufen, tun so, als wären sie die Größten. Dabei sollte es doch gerade auf so einer Konferenz viel mehr darum gehen, dass wir uns Gegenseitig helfen, noch besser mit einem modernen Marketinginstrument umzugehen. Konstruktive Diskussionen, offene transparente Usecases und nicht nur die schöne Seiten zeigen, sondern auch die Fehler!

Facebook ist toll – oder?

Abschließend möchte ich noch einen kurzen Meta-Eindruck von der Konferenz vermitteln. Bei den ersten Vorträgen habe ich schon befürchtet, dass ich hier bei einer sektenartigen Veranstaltung gelandet bin. Eine zeitlang habe ich mich umgeschaut und darauf gewartet, dass mir nun jemand einen Fußableger in Daumenform bringt auf den ich mich beim Anbeten knien kann. Es blieb mir zum Glück erspart!

Und nach den ganzen Lobpreisungen, wurde Facebook irgendwann auch nur noch als ein Instrument im Marketingmix betrachtet. Natürlich bietet Facebook uns Werbern viele neue Möglichkeiten, ob nun neue Kommunikationswege, detailliertere Zielgruppendefinitionen, After- Pre- und Re-Targeting-Möglichkeiten und und und. Jedoch sollte man versuchen in einem eigentlich so nüchternen Land, auch hier die Kirche im Dorf zu lassen und hin zu nehmen, das es nicht die Eierlegende Wollmilchsau ist! Die gibt es nie und wird es nie geben! Und jedes Instrument ist immer nur so gut, wie der der es benutzt und der Anwendungsfall für den es gemacht ist.

Ein weiterer spannender Fakt zum Abschluss: Der nette Herr von Facebook Deutschland hat auch die meiste Kritik abbekommen, da wir ja alle die Probleme mit dem Facebook-Support haben. Es war sicherlich nicht die richtige Stelle, denn in einem so großen Konzern, kann der Gute natürlich eh nichts ändern! Doch hätte er sich charmant in der Situation verhalten können und nicht wie ein Politiker lediglich mit holen Phrasen den Weg frei bomben sollen.

In diesem Sinne, Facebook ist tot! Lang lebe Facebook!

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