Content is Content

Content is Content – Der König ist tot

Jedes Jahr aufs neue, wenn das Jahresende naht, wird über die Trends für das kommende Jahr diskutiert, respektive philosophiert. So auch dieses Jahr. Eines der ersten Online Marketing Magazine, welches die kommenden Trends von 2015 in den Ring wirft ist die t3n. Ich bin großer Fan von der t3n! Schöne Schreibe, spannende Inhalte und meist am Puls der Zeit. On Top dann natürlich immer mal wieder spannende Interview-Partner aus der Branche. Doch wie schon vor ein paar Monaten war auch diesmal wieder ein Beitrag bei t3n der Auslöser für diesen Beitrag. Es geht um folgenden Artikel – Die größten Online Marketing-Trends 2015.

Voller Vorfreude (klingt etwas überspitzt, ich weiß) habe ich mir den Artikel morgens schon geöffnet um in einem ruhigen Moment mit Kaffee und Zigarette mir die Trends 2015 mal genau durch zu lesen und mögliche Strategien für das neue Jahr zu überlegen.

Um die Brücke zu diesem Titel meines Beitrages zuschlagen, fange ich erstmal bei den anderen beiden erwähnten Trends kurz an. Die größte Überraschung war wohl, das wir in Zukunft mit noch mehr mobilen Internet-Nutzern rechnen müssen und uns dem entsprechend auch noch viel stärker auf diese Zielgruppe konzentrieren müssen. Wow! Echt jetzt? Neben der Tatsache, dass diese Aussage letztes Jahr auch schon als Trend angekündigt wurde (selbst für das Jahr 2013 wurde das schon angekündigt), frage ich mich kann man eine logische Konsequenz wirklich noch ernsthaft in einem Fachartikel als Trend verkaufen? Die Smartphone-Verkäufe gehen durch die Decke. Wer sich an einem Bahnhof beim warten auf den erneut verspäteten Zug mal umschaut, sieht doch eh nur noch Menschen mit Smartphones in der Hand. Muss man sowas also ernsthaft noch in einem Artikel als „Good to know“-Verkaufen? Dann hier auch mal ein Tipp direkt von mir, nächstes Jahr im November lohnt es sich Werbung für mögliche Weihnachtsgeschenke zu machen!

Der zweite Trend der erwähnt wird hört auf das Buzzword Diversität! Was sich dahinter versteckt ist leicht erklärt, viel unterschiedlicher Content und damit verbunden unterschiedliche Marketingstrategien. Daraus resultiert, das wir der jeweiligen Zielgruppe, das liefern sollen, was sie sich wünscht. Der Shopper will Preisvorteile. Der Interessierte will Wissensvorsprünge. Der gelangweilte will unterhalten werden. WOW! Gebt dem Volk was es will! Ich gebe zu, diesen Aspekt zu erwähnen macht mehr Sinn als darauf hinzuweisen, das Mobile Marketing wichtiger wird, jedoch hoffe ich das die meisten Marketeers nicht erst diesen Hinweis für das neue Jahr brauchten, sondern auch vorher schon erkennt haben, dass eine ganze jährige „Jetzt kaufen für 9,99€“ nur marginal etwas mit Marketing zu tun hat.

Doch was haben diese beiden Themen nun mit dem Titel meines Beitrages zu tun? Schon in den Themenbereichen ist der große Trend fürs neue Jahr mit inkludiert: Content!

Content ist schon wieder King

Ich hoffe hier ging nun nach dem verkünden des ultimativen Trends 2015 ein großes Raunen durch die Menge! Ich war auf jeden fall erstmal massiv perplex über diesen modernen, fast schon futuristischen, Trend! Es vergingen sicherlich 5-10 Minuten bis ich mich wieder gefangen hatte. Die Neuigkeit hat mich echt vom Stuhl gehauen.

Ich gehe davon aus, das ca. 2% der Leser nun meine Ironie wahr genommen haben und selber ähnliches denken. Der Rest wird entweder nun das Fenster geschlossen haben (Tschüss) oder nun jedes einzelne Wort auf die Waagschale legen und denken „der Typ hat doch keine Ahnung“. Vielleicht habe ich auch keine Ahnung, jedoch würde ich einfach gerne mal dieses ewige „Content ist King“ ein wenig unter die Lupe nehmen.

Woher stammt die Aussage „Content is King“ also eigentlich? Von Google aus 2013? Hat Marc Zuckerberg das vielleicht 2012 in den Ring geworfen? Oder hat es vielleicht doch einer der vielen Online Marketing Gurus im Frühjahr gesagt? Richtig! Bill Gates hat es geschrieben und zwar nicht 2010, 2009 oder 2005.. sondern 1996!! Leider wurde der Artikel von Bill Gates „Blog“ entfernt, jedoch gibt es hier noch einen Auszug – Klickt mich ich bin ein Trend

Mein erster Kritikpunkt an dem ganzen „Content is King“ gehype ist wohl nun angekommen. Seit Jahren erzählen wir uns gegenseitig und unseren Kunden , das dieses Jahr nun Content das absolut wichtigste ist und wir unbedingt darauf unsere neue Marketingstrategie umbauen sollten. Als ob es nicht eh schon fragwürdig genug wäre, 3 Jahre hintereinander das gleiche Thema als Lösung allen Übels zu verkaufen, kann man an dem Ursprung dieser Idee wohl erkennen, dass etwas 18 Jahre altes wirklich langsam kein Trend mehr ist! Einen kurzen Moment habe ich gerade überlegt ob mir auch hier eine passende Analogie einfällt, aber das ist selbst mir zu plump.

Doch neben den symbolischen Spinnenfäden die an diesem erneuten Trend dem Staub die Hand reichen, stellt sich mir die Frage: War denn Content schon einmal irrelevant? Und ist Content für alle Ziele wirklich das richtige Mittel?

Wenn ich dieses Thema in Gänze ausdiskutieren wollen würde, wäre der Beitrag wahrscheinlich erst so spät fertig, dass ich aus allen 2015ern hier 2016 machen müsste. Für den Content wäre das sicherlich weniger dramatisch, ich wage die Prognose, Content ist auch 2016 wichtig! Doch möchte ich natürlich nicht nur meckern, sondern auch wirklich das Thema ein wenig hinterfragen!

Greifen wir uns mal ein Produkt raus und betrachten die Relevanz von Content-Marketing oder allgemein Content für den Sale. Nehmen wir doch einfach mal einen Samsung 55″ 4K LED-TV! Das mittel preisige Modell kriegt man für 1.799€! Und nun hinterfragen wir uns einmal selber, welchen Nutzen hat Content nun um diesen Artikel am TV-Markt zu platzieren und zu verkaufen? Sehr wenig! Was ich hiermit klar machen will, natürlich ist Content eine nette Sache, jedoch gibt es einfach auch Bereich, wo Kaufentscheidungen getroffen werden ohne sich lange damit auseinander zusetzen. Ich denke wir müssen hier noch auf die Fakten-abhängigen Märkte oder auch preisabhängige Märkte! Hier ist Content Marketing eine nette Nebenbeschäftigung führt jedoch nicht zwangsläufig zu besseren Ergebnissen.

Mit diesem Beispiel möchte ich einfach darauf hinweisen, dass man nicht, mehr oder minder plötzlich, alles auf den „Trend“ Content Marketing setzen darf, sondern es auch zum Produkt / zur Marke passen muss. Ich kann es nachvollziehen, dass wir Agenturen alle auf die Bummelbahn Content Marketing aufspringen wollen, denn natürlich steckt dort viel Beratungsleistung drin und die Transparenz dieser Marketingmaßnahme ist auch nicht gerade die höchste, jedoch denke ich, dass Content (Inhalt) schon immer wichtig war und nicht plötzlich an Relevanz gewonnen hat. Das gilt sowohl für Online als auch Klassik, für Werbung als auch das Leben.

Vielleicht hilft es resümierend einfach zu sagen: „Content is King“ ist ein wichtiger Trend für uns Agenturen und Marketing-Menschen, da wir endlich wieder einen mittelfristigen Trend haben, dem wir folgen können und den wir mit Hausmitteln auch umsetzen können. Jedoch ist dieser Aspekt kein großer Schritt in eine neue Zeitalter oder ein allgemeiner Marketing-Trend der mal zu einer wichtigen Theorie werden könnte. Es ist und bleibt ein kleiner Teilbereich der Kommunikationspolitik.

Falls der ein oder andere Online-Shopbetreiber über diesen Beitrag stolpern sollte, möchte ich diesem noch an die Hand geben: Wenn du verkaufen willst, dann setz ruhig dein Budget in „klassische“ Online-Marketing Instrumente, wie AdWords, Facebook Ads, Banner-Werbung und co… Vergesse aber nicht, dass du Content bieten solltest. Wenn du dann noch Zeit hast schaffe weiteren Content ob nun in einem Blog, in Sozialen Netzwerken oder in deinem Shop.

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